Kunst am Bau

Zwitschern im Untergrund

Hoppla, wer pfeift denn hier? Hat sich etwa ein Vogel nach unten verirrt? Noch mancher Passant in der Tiefgarage Brühltor dürfte irritiert um sich blicken, wenn er das erste Mal an der Kunstinstallation von Alex Hanimann vorbeikommt. «Do you hear the birds» heisst das Werk denn auch und lässt uns an einem unerwarteten Ort tatsächlich Vogelstimmen hören. Es handelt sich mindestens schweizweit um ein einmaliges Vorgehen, das der Verwaltungsrat der Cityparking St. Gallen hier gewählt hat: Beim Aus- und Umbau der Tiefgarage Brühltor begnügte man sich nicht damit, durch verschiedene Massnahmen das «Keller-Image» von Tiefgaragen zu revidieren.

Mit einem Studienauftrag an drei Kunstschaffende wollte man ausserdem eine künstlerische Intervention in der Garage integrieren. Die Künstlerin Muda Mathis aus Basel und die beiden St. Galler Alex Hanimann und Norbert Möslang erhielten den Auftrag, eine Arbeit für die zwei Geschosse auf der westlichen Stirnseite des Altbaus zu konzipieren. Die Vorgabe: «eine starke Verbindung und Führung vom Parkhaus zur Innenstadt und der Umgebung» herzustellen. Die Jury, in der Architekten, Kunstschaffende und -verständige vertreten waren, habe keine leichte Wahl gehabt, wie Jurymitglied Koni Bitterli vom Kunstmuseum St. Gallen sagt. Alle drei Arbeiten seien gut gewesen.

Das Rennen machte am Schluss Alex Hanimann, der den Begriff «Parkgarage» auf wunderbare Weise hinterfragt und neu verbunden habe – der Park, die Natur oben, die Garage und die Technik unten. Er verschränke virtuell den Innen- und den Aussenraum miteinander. Hanimanns Arbeit hat ein visuelles und ein akustisches Element. Die rund fünfzig Meter lange Wand in den beiden Etagen ist in unterschiedlich monochrome, quadratische Farbfelder eingeteilt, welche auch auf die Farbgestaltung in der übrigen Garage reagieren. Über jedem Farbfeld ist ein Lautsprecher montiert; sie werden über Bewegungsmelder und ein Zufallsprogramm aktiviert.
Das Tonstudio Zak hat 300 Vogelstimmen in und um St. Gallen aufgenommen, die nun in beinahe unendlich verschiedenen Kombinationen – einzeln, im Dialog, oder im Flug – zu hören sind. Weitere Vogelstimmen sollen noch dazukommen. «Das Projekt von Alex Hanimann überzeugt durch eine fröhliche Sinnlichkeit, die nie vordergründig wirkt, sondern in ironischer Brechung Schnittstellen von Natur und Zivilisation thematisiert», schreibt die Jury in ihrer Begründung.

Copyright: St. Galler Tagblatt, (as)